Eine Reise zum Licht – Imagine Light im Amazonas von Ecuador (Teil I)

 
 Autorin des Projekttagebuches Rose (links) mit Fotografin Hanna.

Autorin des Projekttagebuches Rose (links) mit Fotografin Hanna.

 
 

Ich bin Rose aus Costa Rica, doch wie das Leben so spielt, wohne ich jetzt in Berlin. Hier wurde mir die Möglichkeit geschenkt Teil des LOVE FOR LIFE-Teams zu werden und die Organisation bei der Realisierung des Solarprojekts IMAGINE LIGHT im Amazonas von Ecuador zu unterstützen.

Dort angekommen, trafen wir auf das lokale Projektteam und die angehenden Solar-Techniker: fünf Männer aus drei indigenen Völkern (Waorani, Secoya und Cofán) aus fünf verschiedenen Gemeinden des nordöstlichen Amazonas von Ecuador und einen Ingenieur aus Ecuador. Zu Beginn war ich wie auch einige der Techniker etwas angespannt und schüchtern, aber zugleich auch voller Wissenshunger endlich mehr über die Installation der Solaranlagen zu erfahren.

Gaba, Klever, Adilson, Ignacio, Luis und Guillermo wurden von den Gemeinden für die gemeinsame, neuntägige Intensiv-Ausbildung zum Solartechniker ausgewählt, die der zweimonatigen Projektreise voraus ging. Die folgende Reise selbst stellte die praktische Ausbildung durch die gemeinsame Installation von 44 Solarsystemen dar. Zu Beginn schienen all die neuen Informationen überwältigend und furchteinflößend, schließlich entstammen die Begriffe Gleich- und Wechselstrom, Kabelenden, Volt, Photovoltaik, Wechselrichter, Laderegler und Ampere nicht gerade meinem täglichen Vokabular.

Meine Rolle war zu übersetzen, was Workshop-Leiter und LFL-Solar-Ingenieur Andreas die angehenden Solar-Techniker lehrte. Eine große Verantwortung, vor allem für jemanden wie mich, die noch nie in ihrem Leben etwas über Strom gelernt hatte, nicht einmal die einfachsten Dinge. Aber ich habe die Herausforderung angenommen, ich befand mich außerhalb meiner Komfortzone, bereit Neuland zu betreten – wie auch alle anderen im Team.

Die nächsten neun Tage waren gefüllt von intensiven Lerneinheiten, der Vorinstallation der elektrischen Komponenten im Schaltschrank, aber auch davon, voneinander zu lernen und unsere kulturellen Traditionen zu teilen. Nicht jeden Tag hat man das Glück und die Gelegenheit, mehr über die traditionellen Tänze der Waorani zu erfahren oder den Liedern der Secoya und der Cofán zu lauschen.

"Ich bin sehr dankbar... wir sprechen hier alle unterschiedlich, aber wir sind eine Familie."
Gaba, Solartechniker der Waorani

Schon während der ersten Ausbildungseinheit konnten wir miterleben, wie diese fünf jungen indigenen Männer aufblühten, wie sie jeden Tag mehr lernten und immer mehr Selbstvertrauen gewannen. Sie so am Thema Solarenergie interessiert zu sehen, zu beobachten, wie sie sich in den Pausen und nach dem Essen Notizen machten, Zeichnungen von den Systemen anfertigten und die beste Methode suchten, um sich alles merken zu können, berührte mich sehr und war für mich der größte Lohn für die Mühen des Tages.

 Angehender Techniker beim Verkabeln des Schaltschrankes.

Angehender Techniker beim Verkabeln des Schaltschrankes.

Auch wir, das LOVE FOR LIFE-Team, lernten viel, über die Geschichte der indigenen Nationalitäten, über einzelne Biografien, wir erfuhren mehr über die verschiedenen Sprachen. Die angehenden Techniker erzählten uns auch von ihrer aktuellen Lebenssituation, von der Ausbeutung, mit der sie sich seit vielen Jahrzehnten konfrontiert sehen. Auch ihre Lieder zeugten von dem Wandel, den die Völker seit der Ankunft der Ölindustrie in ihren Territorien erleben mussten und müssen. Gaba, zukünftiger Solar-Techniker des Volkes der Waorani sagte, „wir sind Millionäre und doch leben wir in Armut“. Umgeben vom Reichtum und der Fülle des Amazonas-Regenwaldes, der ihnen alles schenkt, was sie zum Leben brauchen, erleben sie täglich die Ausbeutung ihrer Territorien. Für uns alle hatte der Lernprozess gerade erst begonnen…

In Teil II des Projektreisetagebuches reisen wir zur Installation der Anlagen in die ersten drei Gemeinden...

 Alle Solar-Techniker und Solar-Ingenieur Andreas (li).

Alle Solar-Techniker und Solar-Ingenieur Andreas (li).

Autorin: Rose Alvarez
Übersetzung: Julia Bär
Fotos: Hanna Witte

 
Rosemary Alvarez